Heute stieß ich auf einen sehr interessanten Artikel bei unternehmer.de. Das Thema war “Corporate Clothing: Kleider machen Firmen”.
Das Thema ist ausgesprochen wichtig und wird von vielen Ladengeschäften schlicht ignoriert, aber dennoch sitzt die Kommunikationswirtin Ines Meyrose einem fundamentalen Fehler auf. Und der offenbart sich schon im ersten Absatz: “Corporate Identity ist der Oberbegriff für Ihre Außendarstellung.”
Was sie in diesem einen Satz schreibt, ist kompletter Unfug und disqualifiziert den Rest des Artikels so vollkommen, das die vielen guten und richtigen Sachen, die sie später schreibt, vollkommen in den Hintergrund treten.
Gerade erst vorgestern bin ich genau darauf eingegangen, was Corporate Identity eigentlich ist. Noch einmal:
Die Corporate Identity (CI) beinhaltet die Vision eines Unternehmens, seinen Zweck, seine gelebten Werte, Normen und Einstellungen sowie seine individuelle Unternehmenshistorie. Und sonst gar nichts.
Corporate Identity ist einfach.
Leider schreibt sie noch mehr Unfug: “[Zur Corporate Identity] gehören einige Unterkategorien, z.B. Corporate Design, Corporate Branding, Corporate Culture, Corporate Behaviour, Corporate Clothing.”
Moment mal – “Unterkategorien” der CI? Die CI hat keine “Unterkategorien”. Die Identität ist einfach. Sie wird durch verschiedene Werkzeuge nach außen getragen. Nach international gängiger Lehrmeinung werden drei dieser Werkzeuge akzeptiert: Corporate Design (das visuelle Erscheinungsbild), Corporate Communication (die Kommunikation nach innen und außen) sowie Corporate Behaviour (das Verhalten der Beschäftigten als Einheit). Die von der Autorin sonst genannten Corporate Irgendwasse sind jeweils Unterpunkte dieser drei Werkzeuge, und deren genaue Zuordnung ist schwierig, weil die Grenzen sehr unscharf sind. Gehen wir mal auf das Titelthema ihres Beitrags ein, das Corporate Clothing.
Corporate Clothing kann einerseits zum Corporate Design gehören. In diesem Falle redet man auch von Uniformierung. Die Fastfoodketten wie McDonald’s oder Burger King sind klassische Fälle: Die Klamotten des Personals sehen jeweils identisch aus. Bei manchen Unternehmen mit Uniform lässt sich durch verschiedene Farben oder besondere Merkmale der Rang in der Hierarchie erkennen (die Mädels am Tresen haben zum Beispiel rote Poloshirts, die Köche blaue, die Chefs der Tresenmädels und Köche grüne und der Große Filialenzampano trägt aus güldenen Seidenfäden mundgeklöppelte Rüschenhemdchen. Aber nur heimlich).
Andererseits kann Corporate Clothing auch zum Corporate Behaviour gehören; hier bekommen die Mitarbeiter lediglich Grenzen gesteckt. In solchen Fällen spricht man auch von einem Dresscode. Bankberater etwa sollen einen Anzug mit Krawatte tragen, aber es wird nicht vorgeschrieben, ob es ein Ein- oder Zweireiher sein soll, mit Weste oder ohne, ob die Krawatte Streifen oder Punkte haben muss und in welcher Farbe das alles zu sein hat. Meist lautet hierbei die Ansage einfach: “Gedeckte Farben für den Anzug, und das dunkelste Hemd ist weiß.”
Wer ein bisschen mehr zum Thema Corporate Clothing – und zu Corporate Fashion als dessen Spezialanwendung – wissen will, kann sich mal bei Ines Korkowskis KRAFTSTOFF-Blog umsehen.

Lieber Kommentator mit der IP-Adresse 84.131.204.xxx (letzte drei Ziffern natürlich bekannt),
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Gero
(der Echte)