Wieso eigentlich ausgerechnet PowerPoint?

Ab nächster Woche habe ich einen neuen Kunden – zumindest wenn alles gut geht -, und dann berichte ich darüber ein bisschen mehr. Bei dem Auftrag handelt es sich darum, zwei Präsentationen und eine Broschüre im Rahmen eines bestehenden Corporate Designs umzusetzen.

Grundsätzlich ist das natürlich kein Problem, besonders da der Kunde hochprofessionell ans Werk geht und weiß, wie Briefings ablaufen und worauf zu achten ist. Insofern alles takko.

Eine kleine Herausforderung stellte sich allerdings dennoch, und zwar sollen die Präsentationen mittels verwirklicht werden. ist mir seit 1998 bekannt, und die Geschichte, wie ich als Grafiker dieses Programm kennenlernte, muss ich mal erzählen:

Seit 1996 war ich beim Finanzdienstleister als Grafiker beschäftigt. Neben dem Erstellen von Formularen, Broschüren, Foldern, Flyern und was sonst noch alles im des Finanzdienstleisters produziert wurde, wurde die Grafik der Marketingabteilung zudem benötigt, um Vortragsvorlagen für den Geschäftsführer und Gründer Carsten Maschmeyer zu gestalten. Das machten mein Kollege und ich mit der Layoutsoftware , denn mit der waren wir vertraut. An anderer Stelle im Haus benutzte man zum gleichen Zwecke Aldus .

Diese Plastikfolien sind natürlich Umweltverschmutzung ersten Grades, sehr teuer und problematisch in der Handhabung: Sie verstopften dauernd unseren Laserdrucker, schmolzen, waren ständig und im falschen Moment alle oder sonst etwas stimmte nicht mit ihnen. Und schließlich fielen sie irgendeinem Redner kurz vor Beginn der Präsentation runter und verteilten sich malerisch auf der Bühne. Das gab ein Hallo im Publikum.

Mein Kollege und ich erzählten Maschmeyer daraufhin von einer Möglichkeit (von der wir selber nur gehört hatten), dass die Vorträge auf Computer und mit Multimedia laufen könnten. Maschmeyer, der zwar nicht sonderlich technikaffin, aber dafür reichlich visionär ist, erkannte sofort die Möglichkeiten und erteilte uns den Auftrag, eine Lösung zu erarbeiten.

Im Jahr 1997 war das Macintosh-Betriebssystem Mac OS seinem PC-Gegenspieler Windows 95 für jeden sichtbar so etwas von überlegen, dass uns Grafikern überhaupt nicht in den Sinn kam, einen PC für Präsentationen anzuschaffen. Wir wollten logischerweise weiter auf dem Mac arbeiten. Und so bestellten wir uns alles, was der Markt an professioneller Mac-Präsentationssoftware hergab: Macromedia Director und Adobe 4 nämlich. 98 für den Mac besorgten wir gar nicht erst. Mit Microsoft wollten Mac-User zur damaligen Zeit (und oft auch noch heute) nichts zu tun haben.

Director war unsere erste Wahl, denn von Director hieß es, es könne alles. Alles. Das war wohl nicht übertrieben. Das Problem war nur, dass man als Feld-Wald-und-Wiesen-Grafiker aufgeschmissen war, denn wer Director sinnvoll nutzen wollte, musste zunächst einmal die Programmiersprache Lingo erlernen. Ein halbes Jahr Crashkurs in Programmiersprachen? Wohl kaum. Also: Der nächste bitte.

Wir installierten Adobe Persuasion. Das kam von Adobe, dem Hersteller von Illustrator und Photoshop. Das musste einfach gut sein! Doch wir waren ziemlich schnell ernüchtert. Etwa eine Stunde probierten wir damit herum, guckten uns dann an und waren uns einig: Eine derart schlechte Macintosh-Software hatten wir in unserem Leben noch nicht gesehen. Nichts war dort, wo es sein sollte, nichts funktionierte wie es sollte, nichts war Mac-like, nichts war gut. Dieses Programm war der schiere Schrott. Unerträglich.

Es kam, was kommen musste: Mein Kollege und ich bestellten Microsoft Office 98.

Als es kam, installierten wir es und starteten PowerPoint. Nach zehn Minuten schmissen wir den Mist frustriert wieder von der Platte und arbeiteten fortan zwei Jahre lang mit Adobe Persuasion.

Adobe stoppte irgendwann den Verkauf von Persuasion. Unterdessen wurde die “Multimedia”-Präsentationen in der Vertriebsorganisation so beliebt, dass wir irgendwann genötigt wurden, auf ein verfügbares Format umzusteigen: Microsoft PowerPoint. Gottlob gab es seit dem Jahr 2000 die Version 2001 für den Mac, und in dieser Fassung war PowerPoint erheblich (wirklich erheblich) besser als der grottige Vorläufer, und auch besser als Persuasion (was nicht wirklich schwierig war).

Dennoch: PowerPoint blieb eine Nervensäge. Allein für die Tatsache, dass es jahrelang die Chart-Standardgröße auf DIN A4 gesetzt hat, gehört jemand gesteinigt. Welcher Monitor außer ein paar Exoten ist denn bitteschön im DIN-A-Format?? Dann das Faktum, dass sich Objekte nicht exakt positionieren lassen – das bringt präzise arbeitende Grafiker um den Verstand. Weiter die nicht vorhandene Kompatibilität zu sich selbst – installiert man zum Beispiel Office 2000 auf Windows 2000, reagiert PowerPoint zuweilen anders als mit derselben Office-Version unter Windows XP oder Windows ME. Problematisch wurde es, wenn jemand Daten von einer Windows/Office-Konstellation an eine ganz andere Windows/Office-Konstellation weitergeben wollte, sagen wir Windows 2000/Office 2003 an Windows ME/Office 2000. Man wusste nie, was dann passiert. Ganz anders funktionierte natürlich wieder die Mac-Version von PowerPoint: So wurden mit Copy & Paste einkopierte Objekte nicht über die Plattformen hinweg weitergegeben. Dann die seltsamen Dinge, die mit den Farben und der Auflösung platzierter Bilder geschehen – ach, ich könnte mich stundenlang aufregen. PowerPoint ist einfach furchtbar.

Doch dieses Tal der Tränen hatte ich 2007 durchschritten: Zu diesem Zeitpunkt verließ ich das Unternehmen AWD, um mich selbstständig zu machen. PowerPoint adé, dachte ich. Natürlich muss ich als selbstständiger Grafiker und Berater Präsentationen halten, bei denen ich eine Präsentationssoftware einsetze. Ich vertraue hier auf das Apple-Produkt Keynote: einfach in der Anwendung, hervorragend in der Ausgabeleistung. Es funktioniert eben einfach, muckt nicht rum und kostet mich damit keine Kraft.

Jetzt kommt dieser Kunde und will von mir PowerPoint-Präsentationen haben. Soll er natürlich gerne kriegen. Aber zunächst einmal musste ich mir wieder PowerPoint kaufen, denn mein Rechner war bis dato Microsoft-frei. Die Kenntnisse wieder hervorzukramen ist nicht schwierig – seit März 2009 unterrichte ich am b.i.b. International College in mittlerweile drei Klassen als das Fach Präsentation. Hier habe ich PowerPoint schon häufiger wieder genutzt.

Also bin ich zu GRAVIS gelaufen, habe mir ein erstaunlich großes Paket mit erstaunlich wenig Inhalt gekauft und die DVD von Office:mac 2008 eingelegt. Dann habe ich mir das Installationsanleitungs-Heftchen zur Hand genommen und bin Schritt für Schritt durchgegangen. Ist ja schließlich ein Microsoft-Produkt – man weiß nie, was passiert, wenn man sich nicht an deren Vorgaben hält.

Gleich als erstes heißt es: “Deinstallieren Sie die Testversion von Office 2008.” Okay, die hatte ich nicht drauf, aber mal im Ernst: Kann das die Installationsroutine nicht selber prüfen und löschen? Oder gar einfach die Testversion in die Vollversion umwandeln? Das kann doch jede Sharewarebutze programmieren. Na gut, geschenkt.

Dann muss ich mich mit einem Administrator-Konto einloggen. Mit einem Admin-Konto?? Hallo? Geht’s noch? Ich will eine Textverarbeitung, ein Tabellenkalkulations- und ein Präsentationsprogramm installieren. Was willst du dazu in meinem System rummurksen, Microsoft? Am liebsten würde ich das verweigern – aber das geht nicht. Ohne Adminrechte kein Office.

Als nächstes hieß es, ich solle sämtliche anderen Applikationen, die derzeit liefen, beenden. Schon wieder die Frage: Wozu das? Okay, dass Anti-Virus-Software nicht laufen sollte, erschließt sich mir noch: immerhin geht es um Microsoft-Produkte. Aber wieso darf ich nebenbei nicht twittern oder im Web surfen? Wieso darf ich nicht nebenbei Musik hören oder Bejeweled spielen? Und wieso, wenn es schon nötig ist, beendet der Installer nicht einfach selbst alles? Das lässt Mac OS X doch zu! Aber gut, ich will ja kein Spielverderber sein.

Weiter geht’s mit der erstaunlicherweise reibungslos funktionierenden Eingabe eines 25-stelligen Produktschlüssels. Dann endlich startet der eigentliche Installationsvorgang (nachdem ich auf den “Fortfahren”-Button geklickt habe statt auf einen nicht existenten “Weiter”-Button, wie er im Text des Installers genannt wird, aber ich will ja nicht so sein). Nach Abschluss der Installation, die gut 15 Minuten gedauert hat (zum Vergleich: das komplettes Betriebssystem Mac OS X 10.6 Snow Leopard benötigte nur fünf Minuten mehr – inklusive Neustart), soll ich mich auf der Microsoft-Website registrieren. Ich klicke auf den entsprechenden Button und sehe das hier:

Schriftenproblem nach Installation von Microsoft Office:mac 2008

Was ist denn nun kaputt? Die Schriften funktionieren nicht? Sicherheitshalber starte ich andere Websites – überall das gleiche Bild. Die Schriften sind im Eimer. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Die Administratorrechte brauchte Office also zum Zerstören von Daten auf meiner Platte? Wenn, Microsoft, du Schriften (de-)installieren willst, dann doch bitte richtig. Ich habe eine halbe Stunde gebraucht, um die Verwirrung in meinem Schriftenordner manuell wieder aufzulösen. Und danach benötigte ich noch einen ebenfalls manuell ausgelösten Neustart. Danach läuft alles wieder wie geschmiert, außer das mein Linotype Font Explorer nun plötzlich jede Menge Leichen in der Kartei hat, um die ich mich noch kümmern muss.

Nun dachte ich mir, dass es sinnvoll sein könne, mal nach Updates für Office zu schauen. Also PowerPoint gestartet und im Hilfe-Menü den Auto-Updater aktiviert. Nach zwei Minuten Gerödel spuckte er dann auch aus, dass es zwei Updates, 12.2.3 und 12.2.4, gäbe. Beide sind angehakt, ich wundere mich noch, dass ich zwei bekomme, wo doch normalerweise der Neueste reichen sollte, und klicke also auf “Installieren”. Heruntergeladen werden nun ein 360 MB und ein 220 MB großer Patch. Und dann passiert: nichts. Die Patch-Dateien verschwinden im Datennirvana und werden auch nicht installiert. Ich vermute zunächst einmal den Fehler bei mir und lade die Patches erneut. Wieder: nichts.

Also durchsuche ich die mactopia-Seiten von Microsoft (die Schriften funktionieren ja mittlerweile wieder und ich kann alles lesen). Ich finde den aktuellen Patch, lade ihn herunter, entpacke und installiere ihn problemlos. Allerdings: Die heruntergeladene Datei bringt 222 MB auf die digitale Waage, zur Installation werden jedoch nur 51,7 MB benötigt?? Was ist denn das nun schon wieder für eine Verschwendung?

Nun habe ich noch nicht mit PowerPoint 2008 herumgespielt. Ich hoffe nur, dass das nicht so weitergeht. Denn bisher, liebes Microsoft, bist du eine Lusche. Ein Totalversager. Ein #epic #fail.

Und wenn PowerPoint sich als ebenso beschissen erweist wie der ganze Installationsvorgang, der mich insgesamt mit allem drum und dran zwei wertvolle Stunden meines Lebens gekostet hat, dann werde ich mal mit dem Kunden reden, ob er nicht lieber Overhead-Folien haben möchte.

Update 8. Juni:
Mittlerweile habe ich PowerPoint auch im Betrieb. Und abgesehen davon, dass es auf meinem mit acht mit jeweils 3,2 GHz getakteten Rechenkernen bei 8 GB Arbeitsspeicher ausgestatteten Mac Pro unfassbar langsam ist, habe ich noch keine Probleme gehabt.

PowerPoint 2008 hat eine schicke neue Oberfläche: Zwar ist alles anders als vorher angeordnet, aber eben auch irgendwie sinnvoller. Ob Microsoft wieder einmal bei gewisser benutzerfreundlicherer Präsentationssoftware abgeguckt hat? ;-)

Kommentare

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About Gero Pflüger

Elf Jahre lang, davon lange in Führungspositionen, war ich als Grafiker bei einem europaweit tätigen Finanzdienstleister beschäftigt und dort zuständig für den Firmenauftritt. Seit 2007 bin ich selbstständiger Berater für Corporate Design in Hannover.
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10 Responses to Wieso eigentlich ausgerechnet PowerPoint?

  1. Tom says:

    … oder eben doch mit Keynote arbeiten und am Ende als Powerpoint exportieren. Sieht das Programm ja vor. Testen und abspielen kann man das schließlich auch mit OpenOffice (auf WIN und Mac).

  2. Pingback: Tweets die Wieso eigentlich ausgerechnet PowerPoint? | /cd:blog. | Bloggerei zu Corporate Design erwähnt -- Topsy.com

  3. Gero says:

    Keynote hat den Nachteil, dass es all das kann, was PowerPoint _nicht_ kann. Wenn ich also wie üblich eine Keynote-Präsentation baue, um dann hinterher alles zu testen, zu korrigieren, wieder zu testen und noch einmal nachzujustieren, dann kann ich genauso gut auch gleich PowerPoint nutzen.

    Außerdem ist es doch auch mal wieder schön, einmal mehr sämtliche Vorurteile, die man so gegenüber Microsoft hegt, bestätigt zu bekommen. ;o)

  4. Tom says:

    Das hast natürlich vollkommen recht! #fail #M$ ;–))

  5. Pingback: • Powerpoint Designs | Mister Info

  6. Hallo Gero,
    ich weiß, ich bin kein Grafiker, sondern nur TechRed mit wenig Erfahrung, aber war PDF keine Alternative?
    Zu meinen Unizeiten war PDF das zweitbeliebteste Format nach PPT.
    Wenn man keine grossen und meist überflüssigen Animationen oder Übergange benötigt, dann ist eine PDF-Präsentation doch Top.

  7. Sandra says:

    Und jetzt möchte der Kunde immer noch eine ppt? ;-) oder doch lieber QuickTime? Oder ne DVD?????
    Kompliziert…

  8. Gero says:

    Autsch – Kunde hat Artikel über sich identifiziert. ;o)

    @Sandra: PPT ist für den Auftrag absolut okay. Und: PPT 2008 arbeitet auch noch erstaunlich zuverlässig. Video wäre hier übertrieben aufwändig und zu teuer.

    @David: PDF ist nicht flexibel genug. Wenn kurz vor Veranstaltungsbeginn noch ein Tippfehler korrigiert werden soll, steht man doof da. Zudem bietet ein PDF keine Möglichkeit, Objekte zu animieren – entscheidender Vorteil von echten Präsentationssoftwares.

  9. Sandra says:

    Ich habe die PPT jetzt gesehen- ist super geworden!!! Vielen Dank!