Angeregt durch einen Artikel im Blog meines hochgeschätzten quasi-Nachbarn Felix Stein, auch bekannt als @frontbumper, habe ich mich kürzlich gedanklich ein wenig mit kommunalen Logos beschäftigt. Felix’ These ist, dass das Logo der Landeshauptstadt Hannover automatisch “Hannover in der Klemme” assoziieren lasse.
Irgendwie hat er Recht, oder? Aber Hannover ist nicht die einzige Kommune mit Logoproblem. Da wäre zum Beispiel eine andere Landeshauptstadt, nämlich das malerisch schöne Erfurt in Thüringen. Dort wurde das alte Stadtwappen – ein Schild mit einem Speichenrad – im Rahmen einer Überarbeitung des ganzen Corporate Designs stark abstrahiert und mit einem Mordsaufwand in eine Vielzahl von Submarken aufgelöst. Eine Zusammenfassung des Ergebnisses gibt es im Designtagebuch.
Damit könnte man ja meinen, in Erfurt sei alles in Butter, doch weit gefehlt. Das neue Logo ging emotional völlig an den Bürgern der Stadt vorbei – die ausführende Agentur hatte die Kommune nämlich einfach wie ein Wirtschaftsunternehmen behandelt, nicht aber bedacht, dass sich die Leute mit ihrer Heimat mehr identifizieren als ein Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber. Und die Kommune hat das – unerfahren in Marketingthemen – augenscheinlich gar nicht gemerkt und sich blenden lassen vom schicken, modernen Corporate Design. Die Erfurter selber hingegen gossen Hohn und Spott über ihre Stadtverwaltung aus, denn sie fühlten sich abgewatscht und ignoriert. Die Thüringer Allgemeine sekundierte dem allgemeinen Zorn mit einer teilweise herrlichen Bildergalerie alternativer Logos. (Edit 3.10.2010: Die Bildergalerie ist leider nicht mehr online. Dafür gibt es einen Artikel, der sich ein Jahr nach Einführung des neuen Erfurter Logos mit dessen Erfolg beschäftigt.)
Und nun also Cottbus. Beim Fontblog findet sich eine schöne Zusammenfassung der Geschehnisse seit 2008, und auch die Designverbrechen, von denen künftig eines die Kommune in der Lausitz “schmücken” soll, sind dort zu sehen. Solche Ergebnisse fasse ich einfach nicht. Welcher Mensch mit Augen im Kopf entscheidet sich denn für so etwas? *graus*
Es gibt aber bestimmt auch gute Beispiele für kommunale Logos – kennt jemand welche?


Das von meiner Heimatstadt finde ich gelungen: Duisburg, die Stadt an Rhein und Ruhr. Die beiden Flüsse finden sich im Logo wieder.
Du meinst das hier:
http://www.db-e.de/medien/tbl_kasseReferenz/51DU-Logo.jpg
Hm. Da könnte man aber auch auf den Gedanken kommen, “Sburg” sei ein neues Schimpfwort unter Hafenarbeitern. “Du Sburg, du!” Das i ist nicht wirklich als i zu erkennen. Und was sollen die vielen Punkte?
Das i finde ich schon recht prominent. Der i-Punkt soll übrigens die Stadt an der Mündung von der Ruhr in den Rhein darstellen.
Die gepunktete Linie kann ich Dir auch nicht erklären.
Der hat’s erfunden:
http://www.langerockdesign.de/1de/beratung/09_logo_duisburg.html
Interessant ist auch die Geschichte zum neuen Logo der Stadt Halle/Saale:
http://www.fontblog.de/panne-beim-halle-saale-logo
http://www.fontblog.de/petition-gegen-halle-saale-logo
Und die Stadt Hannover hat eine Schrift, die für sehr kleine Größen entwickelt wurde (Ink Traps!) als Hausschrift ausgesucht. Da kannte sich jemand offenbar nicht so gut aus.
Habe schon zum zweiten Mal den Geschäftsbericht des HCC bauen dürfen und war bei Übernahme des Auftrags auch gelinde gesagt verwundert ob der Schrift. Die ist zwar an sich stilistisch geeignet und gut lesbar, aber doch wirklich eher für Konsultationsgrößen gedacht.