Noch vor wenigen Wochen habe ich mich darüber echauffiert, dass Kommunen schlechte Logos haben. Beispielhaft hatte ich Hannover und Erfurt angegeben und darauf hingewiesen, dass auch Cottbus demnächst ein neues Logo des Grauens aufweisen würde. Allerdings sind Hannover und Erfurt gestalterische Musterknaben gegen das, was sich da in der Lausitz abspielt.
Die Story des Cottbuser Logos hat eine Vorgeschichte. Im September 2008 begann Cottbus nämlich, für den frisch ins Leben gerufenen Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. eine neue Wort-Bild-Marke zu suchen, wie das fontblog seinerzeit berichtete.
Die ziemlich heftige Wettbewerbsausschreibung (PDF) sah vor, dass der Schöpfer des Gewinnerentwurf 8.000 Euro erhalten solle. Knapp 10.000 Euro klingt irgendwie viel. Nur sind 10.000 Euro ziemlich schmal, wenn man die einzuräumenden weltweiten und unbefristeten Nutzungsrechte berücksichtigt. Der Zweitplatzierte sollte dann übrigens nur noch 2.000, der Drittplatzierte gar nur 1.000 Euro bekommen – und die anderen Einsender allesamt gar nichts.
Nun ja, “wer mit peanuts bezahlt, wird von affen bedient”, schrieb meistermochi wohl schon Böses ahnend in den Kommentaren zum fontblog-Artikel. Und meistermochi behielt Recht. Hinter verschlossenen Türen wurde durch eine nicht näher benannte Jury “mit namhaften Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Design” in einem intransparenten Entscheidungsverfahren ohne öffentliche Präsentation der eingereichten Entwürfe der Gewinner gekürt. Die Lausitzer Rundschau veröffentlichte das neue – äh – Logo am 15. Januar 2009. Und das sah so aus:
Sieht irgendwie aus wie der Brechdurchfall von Expo-2000-Maskottchen Twipsy, oder?
Nur einen halben Monat später war dieses – äh – Logo schon wieder Geschichte, wie die Lausitzer Rundschau am 3. Februar 2009 berichtete. Der Stadtmarketing- und Tourismusverband musste dann eineinhalb Jahre ohne Logo auskommen. Doch endlich ist die Warterei vorbei – am letzten Freitag wurde das neue Logo veröffentlicht, wieder in der Lausitzer Rundschau. Und das ist es:
Es stammt vom ortsansässigen Künstler und Grafikdesigner Meinhard Bärmich, der sich wohl dermaßen für seine Heimatstadt geschämt haben muss, dass er sogar für die Aussicht auf Geringstverdienst gearbeitet hat – denn das eigentlich zur Verfügung stehende Geld war ja schon großzügig für den Twipsy-Brechdurchfall verplempert worden. Bärmich erhielt für seinen Gewinnerentwurf 2.000 Euro, vier andere Logo-Gestalter je 1.000 Euro – und diesmal ließen die Verantwortlichen vorsichtshalber das Volk abstimmen.
Ob das Design dieses Entwurfs tatsächlich geeignet ist, um national und international für die Stadt in der Lausitz zu werben, ist zwar einigermaßen zweifelhaft. Aber allemal besser als Brechdurchfall.
Zusammenfassung: In Cottbus wurden zunächst 11.000 Euro zum Fenster rausgeschmissen. Im zweiten Anlauf mussten noch einmal 6.000 Euro locker gemacht werden, um ein Logo zu erhalten, das den eigenen Ansprüchen der Ausschreibung wohl nicht genügen dürfte. Der Vorgang um das Logo hat allein an Preisgeldern 17.000 Euro, viel Lebens- und Arbeitszeit aller Beteiligten gekostet und das Image des Cottbuser Marketingverbands (Marketing!) in Schutt und Asche gelegt. Außerdem dürften in dem bald zwei Jahre dauernden Verfahren noch erhebliche Nebenkosten aufgelaufen sein.
Liebe Kommunen, was lehrt uns das Beispiel Cottbus? Plant von vornherein 20.000 Euro für ein kommunales Logo ein. Engagiert dann eine (!) vernünftige Designagentur aus eurer Region, die meinetwegen zehn völlig unterschiedliche Entwürfe macht. Die lässt man dann diese Agentur öffentlich präsentieren, denn das schafft Transparenz und Vertrauen. Stellt die Logos für einige Monate öffentlich aus, zum Beispiel im Rathaus oder der örtlichen Sparkasse. Lasst die Bürger über das Logo entscheiden, werbt für eine öffentliche Abstimmung, lobt als Anreiz für die Teilnahme einen kleinen Gewinn aus. Dafür finden sich sogar bestimmt örtliche Sponsoren. Schlussendlich werden sich die Fraktionen im Stadtrat dem Bürgervotum beugen. Und so bekommt ihr ein Logo, das örtlich akzeptiert wird, das der Kommune nützt, mit dem ihr keinen Ärger habt und das preiswert ist – im Wortsinne: seinen Preis wert.
Und übrigens, liebe Unternehmer, die Sie das hier gelesen haben: Im Unternehmensumfeld funktioniert das nicht plebiszitär. Da sollten Sie Ihrem beratenden Designer vertrauen.

Hehe, ich suhle mich gerade in Schadenfreude. Mehr davon, voll ins Schwarze :)