Das ging schnell: Gerade erst vor ein paar Stunden stellte ich eine Supportanfrage bei Typekit, dem Webfont-Anbieter meiner Wahl, bezüglich dieses Problems mit Webfonts unter Windows XP und Firefox 3.5.1. Und schon ist die Antwort des Supporters da.
“Unglücklicherweise”, so schreibt Supporter Tim Brown, “können wir bei Windows nicht viel gegen das schlechte Rendering machen. Schriften-Rendering im Web ist eine komplizierte, vielschichtige Sache. Dieses Chart bei Typophile schafft es recht gut, das Problem zu illustrieren.” Aus dem Chart geht hervor, dass Firefox unter Windows XP einfach kein Antialiasing beherrscht (das ist das Glätten der Schriftkanten durch Weichzeichnung) und das führt dann eben zu diesen furchtbaren Ergebnissen mit pixeligen Schriften. Und außerdem geht aus dem Chart hervor, dass Schriften am Macintosh einfach am besten aussehen.
Als ich vorhin über das Problem nachgedacht habe, erinnerte ich mich, dass ich jedes Mal wieder der Schriftdarstellung wegen schockiert war, wenn ich – selten genug – vor Windows-XP-Büchsen saß, das aber jeweils für ein lokales Problem dieses einen Rechners hielt. Derartig grausliche Schrift-Darstellungen kenne ich vom Macintosh einfach nicht: Als ich 1993 in die Branche einstieg, gab es den Adobe Type Manager, der die Schriftkanten am Macintosh glättete, bereits drei Jahre lang. Mit der Einführung von Mac OS X im Jahr 2001 beherrschte dann das Macintosh-Betriebssystem von sich aus die systemweite Kantenglättung. Eines Tools wie des Adobe Type Managers bedurfte es damit nicht mehr. Das ist neun Jahre her! Bei Microsoft scheint man auf Ästhetik keinen großen Wert zu legen. Kein Wunder, dass damit kein anständiger Gestalter arbeiten will – schließlich geht es bei uns um Ästhetik.
Tim Brown vom Typekit-Support weist mich noch auf einen wunderbaren Service von Typekit selber hin, der mir bis dato entgangen war: die Browser Samples. Dort kann man sich jede Schrift, die Typekit anbietet, für verschiedene Browser simuliert anzeigen lassen. Unter diesem Link versteckt sich die Ansicht meiner FF Meta. Dort sieht die Firefox-Variante nicht ganz so schlimm aus wie auf dem Dell meiner Studenten – aber das kann auch an meinem Monitor oder meinem Browser oder meinem Betriebsystem oder sonstwas liegen.
Mein alter Freund Felix Wandler weist mich dann noch auf die Seite netrenderer hin, auf der man sich jede beliebige Domain unter verschiedenen Internet-Explorer-Versionen rendern lassen kann. Sehr interessant zu sehen, dass selbst das neueste Ungeheuer aus Redmond, der Internet Explorer 8, offenbar ebenfalls keine saubere Kantenglättung implementiert hat …
Aus meinen Analysedaten geht hervor, dass immerhin 22 Prozent meiner Leser die Windows/Firefox-Kombination nutzen (welche Windows- und Firefox-Versionen das genau sind sagt Google Analytics allerdings nicht). Diese Leser möchte ich ja nicht durch quasi unleserliche Schrift verprellen. Weitere 6 % nutzen den Internet Explorer unter Windows, und fast 5 % Google Chrome, und diese Nutzer sollten die FF Meta einigermaßen dargestellt bekommen. 55 Prozent meiner Besucher sind Mac-User – bei denen sieht die Schrift so oder so toll aus. Die übrigen zwölf Prozent verteilen sich auf iPhones und iPads – und die bekommen entweder die problemlose Mobilseite oder die korrekten Schriften angezeigt. Und die drei Besuche von BlackBerrys, die ohnehin nur die üblichen Internet-Schriften angezeigt bekommen, möchte ich auch nicht unterschlagen.
Die Frage ist: Was mache ich nun? Lasse ich meine Hausschrift drin oder nehme ich sie für die 22 Prozent der Firefox/Windows-Leser mit potenziellen Darstellungsproblemen raus? Ich würde mich über Ihre Kommentare freuen!
Allgemein, Corporate Design, Macintosh, Typografie, Webdesign, Webfonts, Webprogrammierung, Windows

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