Corporate Design von Fastfood-Ketten im historischen Ambiente

Das ausgefeilteste Corporate Design, das auch Laien erkennen, findet sich sicherlich bei den großen Fastfood-Ketten. Doch was passiert, wenn die grellen Neon-Zeichen auf historisches Ambiente treffen?

Zwischen den Jahren war ich in einer der schönsten deutschen Städte – in Erfurt, der Landeshauptstadt des Freistaats Thüringen. Obwohl Erfurt im Zweiten Weltkrieg fast 30 Luftangriffe und Artilleriebeschuss und anschließend 40 Jahre Sozialismus über sich hat ergehen lassen müssen, ist insbesondere die Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern und Kirchen ein Juwel unter den deutschen Großstädten. Hier sieht man deutlich, was der dafür viel gescholtene Bundeskanzler Helmut Kohl mit seinem geflügelten Wort der »blühenden Landschaften« meinte.

Erfurt – das sei an dieser Stelle kurz erwähnt – hat übrigens seit 2010 ein neues Corporate Design, über das ich damals an dieser Stelle berichtete.

Doch nun zu dem Thema, das mich in Erfurt bewegte. Denn ich lief mitten an Erfurts zentralem Platz in der Innenstadt, dem Anger, an einer Filiale der Fisch-Schnellrestaurant-Kette »Nordsee« vorbei, dessen allseits bekanntes grellrot-blaues Logo gerne auch als visuelle Umweltverschmutzung deutscher Innenstädte durchgehen kann. Der stilisierte Fisch der Kette erinnert mich dabei regelmäßig an die gerne in Regenbogenfarben dargestellten Auto-Aufkleber von Menschen, die sich damit nicht nur als Christen, sondern in einer statistisch signifikanten Zahl auch als unfassbar trantütige Autofahrer enttarnen. Und Tran und Fisch liegen ja nun nicht so weit auseinander. (Haha, kleiner Scherz.)

Jedenfalls hat es »Nordsee« geschafft, sein Restaurant in das Ensemble der Stadt einzugliedern, ohne die Ästhetik der Gebäudefassade groß zu schaden.

Nordsee-Filiale am Anger in Erfurt
Nordsee-Filiale am Anger in Erfurt

Wie man sieht, wurde das Fisch-Logo in gleich zwei Farbtönen an das Gebäude angepasst – im linken Teil des Restaurants im hellen Beige-Ton der Fassade, rechts im gleichen Grau wie die umgebende ehemalige Toreinfahrt (falls das mal eine war). Eine geschickte Lösung der Kette, wie ich finde, um einzugestehen, dass das eigene Logo trotz der üblicherweise grellen Neonfarben verblasst gegen die Schönheit klassischer Baukunst. Und – so vermute ich zumindest – auch ein Zugeständnis an die Auflagen der Stadt.

Erstmals ist mir so etwas Anfang der 1990er in der Altstadt von Hameln aufgefallen. Dort gab es mitten in der Altstadt (die ebenfalls absolut sehenswert ist, wenn man mittelalterliches Ambiente mag) am Ende der Fußgängerzone ein Restaurant von Mc Donald’s. Der Fastfood-Gigant hatte damals noch nicht jede Kleinstadt erobert und war noch nicht an jeder dritten Schnellstraßenausfahrt präsent und so übte jedes erreichbare »etwas andere Restaurant«, wie der Claim des Burgerbräters zu jener Zeit lautete, auf uns Dorfjugendliche schon eine gewisse Attraktion aus. Hameln lag für mich in Reichweite, und so war ich ab und zu dort.

Das Schnellrestaurant lag in einem Fachwerk-Eckhaus und war auf Entfernung nicht als amerikanische Frittenbude zu erkennen. Denn das eigentlich neongelbe »M« war hier in brauner Farbe gehalten, was hier schön zu sehen ist. Alternative Bilder finden sich hier und hier und hier. Leider kann ich kein eigenes Bild beisteuern, denn das Restaurant schloss 2011 nach 25 Jahren.

Und wo wir gerade bei Mc Donald’s sind – kehren wir kurz zurück nach Erfurt und gehen einige Schritte weiter. Denn nur wenige Gebäude neben der »Nordsee« findet sich eine Filiale der Burger-Kette.

Mc Donald's-Filiale am Anger in Erfurt
Mc Donald’s-Filiale am Anger in Erfurt

Wie gelungen finden Sie die Integration von Nordsee und Mc Donald’s in die Erfurter Hausfassaden? Ich bin auf Ihre Meinung gespannt!

Foto oben: © Arman Zhenikeyev - Fotolia.com
Foto Mitte und unten: © Gero Pflüger